Dienstag, 25. September 2018

Es ist eine Geschichte, die nur die Kreisliga schreibt. Der 19-jährige Wessumer Benedikt Elskamp feierte gegen den SV Heek sein Startelfdebüt im Seniorenbereich, sprang in der Halbzeit für den verletzten Torwart ein und schoss in der Schlussminute das „Tor des Jahrhunderts“. So nennt man es zumindest seit Sonntag in ganz Wessum. Selbst die gegnerischen Fans aus Heek feierten Benedikt Elskamp nach dem Abpfiff.

Eigentlich spielt Benedikt Elskamp noch in der A-Jugend. In dieser Saison kam er aber auch dort nur zu wenigen Einsätzen. Das hatte aber keine sportlichen Gründe. Im Frühjahr 2017 riss sich der Wessumer das Kreuzband. 12 Monate kämpfte er sich zurück. Erst zwei Monate ist es her, dass er im Training wieder durchstarte.


Der gelernte Rechtsaußen brauchte wenig Anlauf und spielte sich sofort in den Vordergrund. Das weckte auch im Seniorenbereich Begehrlichkeiten. Also lud ihn Trainer Hermann Tenhumberg zur dritten Mannschaft ein. Zweimal wurde er im Saisonendspurt eingewechselt und machte seine Sache auch hier ordentlich. Am vergangen Sonntag – zum Saisonabschluss – war Benedikt Elskamp aber zunächst nicht nominiert. Erst eine Stunde vor Spielbeginn rief ihn Hermann Tenhumberg an und fragte, ob er spontan einspringen könne, weil einige Spieler ausgefallen seien. Typisch Kreisliga eben.

Aus dem Bett in die Startelf

Der 19-Jährige sagte sofort zu, schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr zum Sportplatz. Dort erfuhr er, dass er für die Startelf eingeplant war – auf seiner angestammten Position als Rechtsaußen. In den ersten 45 Minuten beackerte er gegen den SV Heek also den rechten Flügel und sorgte mit dafür, dass die Wessumer zur Halbzeit mit 2:1 in Front lagen. In der Halbzeit dann die Hiobsbotschaft: Der etatmäßige Torhüter Christian Terbeck kann wegen akuter Nackenprobleme nicht weiterspielen. Für einen dünn besetzen Kreisliga-Kader das Worst-Case-Szenario.

„Ich habe in meinem Leben keine fünf Spiele als Torhüter gemacht, aber die anderen hatten gar keine Erfahrung. Deshalb habe ich mich gemeldet“, berichtet Benedikt Elskamp von den Geschehnissen in der Halbzeitpause. Also streifte er sich die Torwarthandschuhe über und stellte sich zwischen die Pfosten. Was dann folgte, gleicht einem Märchen.

Verzweiflung bei Heeker Stürmern

Direkt nach der Pause fällt das 3:1 für Wessum, doch die Heeker verkürzen nur Minuten später auf 3:2. Benedikt Elskamp ist beim Gegentreffer chancenlos – und dreht dann richtig auf. Dreimal laufen die Heeker alleine auf den Wessumer Schlussmann zu und dreimal entscheidet Benedikt Elskamp das Duell für sich. Die Zuschauer feiern den 19-Jährigen entsprechend. Wessum schießt zehn Minuten vor Schluss das beruhigende 4:2, das Spiel ist entschieden.

Doch die Szene des Spiels sollte noch folgen. Eckball Wessum: Christoph Wittland tritt den Ball in den Strafraum, doch ein Heeker kann den Ball bis weit in die gegnerische Hälfte klären. Dort steht Benedikt Elskamp und will den Ball mit dem Vollspann per Dropkick zurück in den Heeker Strafraum schlagen. „In dem Augenblick merke ich schon, dass ich den Ball perfekt treffe. So trifft man ihn nur einmal im Leben“, so Elskamp. Wie an der Schnur gezogen fliegt der Ball die 70 Meter über den Platz – und schlägt direkt unter der Latte ein. Sofort wird Benedikt Elskamp von seinen Mitspieler begraben.

Kleiner Wermutstropfen

„Der Ball wurde lang und länger und plötzlich zappelt er im Netz. So ein Wahnsinnstor habe ich noch nie gesehen“, schwärmt Mitspieler Lukas Gerling nach dem Spiel. Selbst die gegnerischen Spieler und Fans spendeten Applaus. Einziger Wermutstropfen: „Die Ecke wurde noch gefilmt, weil Christoph Wittland sie mit Ansage reindrehen wollte. Als das aber nichts wurde, hat die Aufnahme gestoppt“, so Elskamp. Trotzdem wird kein Beteiligter das Tor wahrscheinlich so schnell vergessen.

Von Zufall oder Glück wollte in Wessum übrigens am Sonntag keiner etwas hören. „Wir haben solche Distanzschüsse tausendmal im Training geübt. Unser Vorbild war dabei immer Massimilian Porcello vom Karlsruher SC“, so Lukas Gerling nach dem Schlusspfiff mit einem Augenzwinkern. Auf der anschließenden Saisonabschlussfeier war deshalb auch der am häufigsten zitierte Satz: „Der gibt den Hafer – und wieeeeee!“

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