Samstag, 22. September 2018

Plastik beherrscht unseren Konsum. Doch kann man dem Kunststoff überhaupt aus dem Weg gehen? Ahaus.jetzt-Reporter Johannes Schmittmann hat eine Woche lang versucht, möglichst wenig davon zu verbrauchen. Das stellte sich allerdings als viel schwieriger heraus, als gedacht.

Die Europäische Komission hat kürzlich bekanntgegeben, Einwegplastik in Form von Besteck, Geschirr und Strohhalmen zu verbieten. Bis 2030 sollen Wegwerfartikel und Mikroplastik deutlich reduziert, Verpackungen außerdem durchgehend recycelbar werden. Das klingt nach einem Plan. Doch wie sieht es heute aus? Kann man dem Kunststoff als Konsument eine Woche aus dem Weg gehen? Ich hab es getestet.

Die Ausgangssituation


Das Positive zuerst: Ich trinke meinen morgenlichen Kaffee aus einem Thermosbecher, nutze für den Transport meiner Einkäufe einen Rucksack und trenne meinen Müll. Großeinkäufe sind nicht mein Ding. Das hat zwei Gründe. Zum einen bin ich durch die Lage meiner Wohnung verwöhnt, da sie direkt über der Filiale einer großen Supermarkt-Kette liegt. Zum anderen möchte ich die Planung meines Abendessens möglichst flexibel halten. Wer weiß denn schon am Sonntag, ob er am Donnerstag Lust auf Spinatlasagne hat? Das bedeutet für mein Experiment, dass ich nicht einmal pro Woche wachsam einkaufen muss, sondern fast jeden Tag. Und ich muss zugeben: Wirklich auf Plastikverbrauch geachtet, habe ich zuvor noch nie. Auch um den Bioladen haben ich bisher einen Bogen gemacht.

Der Versuch

Rückblickend waren es insgesamt fünf Einkäufe, die ich in dieser Zeit getätigt habe. Den Anfang machte ich letzte Woche in einem Discounter. Ich schnappte mir also einen Einkaufswagen und arbeitete meine Liste ab. Und schon nach wenigen Metern lauerten die ersten Hindernisse. Meine geliebten Limetten? Nur eingeschweißt im Viererpack. Auch Salate erhält man nicht ohne Plastikverpackung. Schnell beschließe ich, den Einkauf an dieser Stelle abzubrechen und den Supermarkt zu wechseln. Dort ist es zwar etwas teurer, aber er verfügt über mehrere Frischetheken und ein deutlich größere Obst- und Gemüseabteilung. Meine Limetten bekomme ich dort einzeln und ohne Verpackung – jedoch mit dem obligatorischen Plastiksticker. Dafür werde ich an der Frischetheke enttäuscht.

Die bestellten 100 Gramm Sommerwurst und 100 Gramm Emmentaler werden zunächst jeweils in eine Plastikfolie gefaltet und dann in eine Plastiktüte gesteckt. Hätte ich nicht dazwischengefunkt, wären sie sogar in getrennten Tüten gelandet. Da hätte ich – zumindest was den Plastikverbrauch angeht – besser die eingeschweißte Variante wählen sollen. Bei vielen anderen alltäglichen Lebensmitteln hat man gar keine Wahl. Man kommt schlicht nicht um das Plastik drumherum. Egal ob Nudeln oder Chips – hier sucht man vergeblich nach umweltfreundlichen Verpackungen.

 

Noch schwieriger wird es bei den Hygiene-Artikeln. Deo, Shampoo oder Zahnpasta ohne Plastik? Fehlanzeige! Immerhin bei der Seife kann ich auf den Kunststoff verzichten. Statt Flüssigseife liegt fortan ein Stück Kernseife im Badezimmer. Beim gesamten Gang durch den Supermarkt fällt auf, dass plastikfreie Verpackung immer noch die Ausnahme ist. Häufig werden Lebensmittel völlig unnötig sogar doppelt und dreifach in Plastik verpackt. Matroschka lässt grüßen.

Der einzige Ort, an dem ich in der vergangenen Woche wirklich komplett plastikfrei einkaufen konnte, war der Münsteraner Wochenmarkt. Hier sorgte mein Wunsch, auf Plastiktüten zu verzichten, kein einziges Mal für Verwunderung. Das studentisch und bürgerlich geprägte Publikum scheint hier schon als Vorreiter aktiv geworden zu sein. Allerdings braucht es auch eine gewisse Vorbereitung. Am Gewürzstand musste das Chili-Pulver aus der Plastiktüte in meine kleine Tupperdose umgefüllt werden.

Das Fazit

89 Gramm Plastikmüll habe ich in dieser Woche angesammelt. Dafür habe ich nicht nur beim Einkaufen auf Plastik verzichtet, sondern auch an anderer Stelle. Die von der Arbeit gestellten Plastikflaschen Wasser habe ich mit Leitungswasser wieder aufgefüllt. Zum Grillen im Park habe ich zur Sicherheit mein eigenes Besteck mitgebracht, weil ich (zu Recht) vermutete, dort verwende man Plastikgeschirr. Abschließend lässt sich aber sagen, dass es nicht viel Aufwand kostet, den Plastikverbrauch deutlich zu reduzieren. Nur billig ist es definitiv nicht. Fast immer ist das lose Obst teurer als das eingeschweißte. Auch den Wochenmarkt oder Bioladen muss man sich leisten können. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob es das der Umwelt zuliebe Wert ist.

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