Mittwoch, 24. Oktober 2018

Jahre lang gab es für Salip Tarakci eigentlich nur die Musik. Als Frontmann der Ahauser Funk-Band „Nelson“ wurde er in der Stadt zu einem bekannten Gesicht mit starker Stimme. Vor zwei Jahren entschloss er sich, den Seiteneinstieg an der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen zu wagen. Mittlerweile hat er eine volle Stelle. Die Musik ruht deshalb aber nicht.  

Meistens sind es die spontanen Ideen, die am Anfang von etwas Großes stehen. So war es auch bei Salip Tarakci und seinen Schülern, die vor wenigen Wochen den ersten Platz beim Hip-Hop-Wettbewerb der Initiative „Leben ohne Qualm“ abräumten. „Eine Kollegin hat mir davon erzählt und ich fand, es hörte sich ganz cool an“, berichtet Salip Tarakci vom Ursprung des Erfolgs.


Er begann, sich Gedanken über Text und Rhythmus zu machen. Als das Grundgerüst stand, pickte er sich fünf seiner Schüler im Alter von 10 bis 13 Jahren heraus und entwickelte das Projekt gemeinsam mit ihnen weiter. Kurz vor den Weihnachtsferien wurde dann das erste Mal gedreht. Schnitt und Mix waren für die Ferien anvisiert. Doch dann brauchte es einen glücklichen Zufall, damit der Traum nicht platzte, bevor er begann.

Mit Nacht-und-Nebel-Aktion zum Sieg

„Eigentlich hatte ich im Kopf, dass ich auch noch die zweite Ferienwoche Zeit habe. An Silvester sprach mich dann zufällig meine Frau an und fragte mich, ob ich nicht bis morgen das Video fertig haben müsse“, so der 36-jährige. Es nützte nichts: Bis Mitternacht saß er vor seinem Rechner und bastelte das Video zum Song „Fluppenschnippser“. Dann hieß es: abwarten.

Salip Tarakci (2. v. l.) mit seinem „Dreamteam“

Schon die erste Mail von der Landesinitiative „Leben ohne Qualm“ war für die fünf Schüler – Mia, Elias, Luca, Benedikt, Casper – und ihren Lehrer ein Grund zum Feiern. Dort hieß es, man gehöre zu den besten Bewerbern in NRW. Als dann eine zweite Mail mit der Mitteilung eintraf, dass es zum ersten Platz gereicht hatte, gab es kein Halten mehr. Die Jury lobte unter anderem die „super Performance“ und die „geniale Hook“. Jeder Schüler erhielt einen Klamottengutschein für einen neuen Frühjahrs-Look.

Professioneller Videodreh bei Projekttagen

Doch Salip Tarakci und seine Schüler gaben sich damit nicht zufrieden. Als die Projekttage an der Sekundarschule vor der Tür standen, kam dem Musik- und Niederländisch-Lehrer eine Idee. Er schnappte sich nicht nur die fünf Nachwuchsmusiker, die mit ihm den Wettbewerb gewonnen hatten, sondern auch noch eine Dutzend anderer Schüler. Gemeinsam drehte man nun – dank finanzieller Unterstützung der Schule – hochprofessionell eine zweite Version des Videos (siehe unten). Damit möchte man nun beim bundesweiten Wettbewerb „be smart – don´t start“ möglichst weit vorne landen.

Wenn es nach Salip Tarakci geht, könnte diese Arbeit nur der Startschuss für viele weitere Projekte sein. „Natürlich braucht es dafür motivierte Schüler, weil es Mehrarbeit bedeutet, aber ich wäre für so etwas zu haben.“ Die Schüler seiner Schule sind zwar der erste Ansprechpartner, aber er denkt auch in andere Richtungen. „Ich könnte mir auch vorstellen, in Ahaus ein offenes Casting für ein Projekt mit Kindern und Jugendlichen zu starten“, erklärt Salip Tarakci.

Musikalische Projekte noch in der Schublade

Um seine eigene musikalische Karriere ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Doch das hat seine Gründe. „Ich probiere gerade einiges aus. Gerade weiß ich noch nicht so wirklich, wo der Weg hingehen wird, aber die Musik hat nie geruht.“ Aktuell habe er noch einen Song in der Schublade, der er mit einem befreundeten DJ geschrieben hat. Es sei aber noch zu früh, ihn zu veröffentlichen. „Ich möchte erst noch mehr Songs schreiben.“

Diesen Luxus hätte er sich wahrscheinlich früher nicht erlauben können, als er von der Musik lebte und mit seiner Band „Nelson“ in Ahaus bekannt wurde und später „solo“ unterwegs war. „Mittlerweile bin ich auf die musikalischen Projekte finanziell nicht mehr angewiesen. Dadurch kann ich die Dinge entspannter angehen.“ Zur Erklärung: Vor zwei Jahren wagte Salip Tarakci den Seiteneinstieg ins Lehramt für die Fächer Musik und Niederländisch.

Über Umwege an die Schule

Auch hier spielte der Zufall eine wichtige Rolle, wie er heute erklärt. „Der Direktor der Schule war früher mein Schüler an der Steinfurter Musikschule. Eines Tages hab ich ihn einfach spontan angesprochen und mich erkundigt“. Dann ging alles ganz schnell. Nach anfänglich sechs Stunden pro Woche, steigerte er die Stundenanzahl Stück für Stück. Seit genau einem Jahr arbeitet er nun Vollzeit an der Sekundarschule. Der Vorteil: Es bleibt mehr Zeit für Frau und seine zwei Kinder.

Gleichzeitig ist seine Frau aber auch seine musikalische Antriebsfeder. „Erst vor ein paar Tagen hat sie noch mit mir geschimpft und meinte, ich solle endlich wieder was veröffentlichen. Aber natürlich freut sie sich, dass ich nun geregelte Arbeitszeiten habe.“ Eines kommt für Salip Tarakci aber nicht in Frage: Die Musik irgendwann ruhen zu lassen. „Ich bin zwar hauptberuflich Lehrer, aber die Kreativität bahnt sich immer ihre Wege. Und Beruf und Leidenschaft lassen sich ja auch kombinieren.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Vielleicht könnte ich ja mal so etwas wie der moderne Rolf Zuckowski werden.“

 

 

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