Donnerstag, 20. Juni 2019

Was vor Wochen für viele nur ein Buchstabensalat war, ist mittlerweile in aller Munde: die DSGVO. Eigentlich ist die Datenschutz-Grundverordnung dazu gedacht, Unternehmen wie Facebook oder Google Einhalt zu gebieten. Nach und nach kristallisierte sich aber heraus, dass auch kleine Vereine davon massiv betroffen sind. Die Messdiener St. Marien ärgern sich aber nicht nur deshalb maßlos.

„Wir werden in unserer Öffentlichkeitsarbeit um zehn Jahre zurück geworfen“, schimpft Christoph Klüsekamp. Der 25-Jährige ist Messdienerlager-Leiter bei der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt und betreut auch den Social-Media-Auftritt. „Es ist eh schon schwer genug, junge Menschen für Vereine zu gewinnen, aber jetzt wird es noch schwieriger. Aber der Beschluss der Kirche setzt dem ganzen die Krone auf.“

Was Christoph Klüsekamp meint: Bereits am heutigen Donnerstag (24. Mai) tritt das kirchliche Datenschutzgesetz (KDG) in Kraft, an das auch die Messdiener gebunden sind. Hierin ist unter anderem verankert, dass jedes Bild, das von einem unter 16-jährigen Kind gemacht wird, von den Eltern vor der Veröffentlichung abgesegnet wird. Egal, ob es sich dabei um ein Gruppenbild handelt oder nicht.

„Wir leben vom Nachwuchs und brauchen den Nachwuchs“

„Sollen wir dann in Zukunft Beispielfotos verwenden oder Strichmännchen zeichnen, wenn wir eine Aktion bewerben wollen?“ fragt der 25-Jährige sarkastisch. Bis dato war es üblich, regelmäßig aus dem Sommer- und Pfingstlager sowie von anderen Events Bilder auf der Facebook-Seite zu posten. Damit sollte jungen Menschen der Einstieg bei den Messdienern schmackhaft gemacht werden. An Live-Videos, die früher häufig über Facebook publiziert wurden, ist aktuell nicht mehr zu denken.

Ein Bild vom letzten Sommerlager im Sauerland. Foto: Messdiener St. Marien

Besonders enttäuscht ist Christoph Klüsekamp deshalb, weil man schon vorher sehr auf Datenschutz geachtet hatte. Auf jeder Lageranmeldung konnten die Eltern ankreuzen, ob sie einer Veröffentlichung von Bildern in Zeitung und Internet zustimmen. Doch selbst das reicht mittlerweile nicht mehr aus. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Und das, obwohl bereits in knapp zwei Monaten das Sommerlager in Medebach ansteht.

„Wir leben vom Nachwuchs und brauchen den Nachwuchs“, so Klüsekamp. Deshalb habe er bereits das Gespräch mit Verwaltungsreferent Marc Klein-Günnewick über ein mögliches Schlupfloch zu sprechen.

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