Freitag, 22. November 2019

Bei Bauarbeiten am Beckers Brink in Ahaus sind menschliche Knochen freigelegt worden. Die Herkunft wurde inzwischen auch geklärt – durch eine promovierte Archäologin.

  • Bauarbeiter finden Knochen bei Arbeiten am Beckers Brink.
  • Gebeine könnten aus dem Mittelalter stammen.
  • Sie sind gut erhalten und haben einen bestimmten Grund, warum sie genau dort gefunden wurden.

Ahaus: Knochen sollen bei Bestatter aufbewahrt werden

Das Baufeld, in dem die Knochen gefunden wurden, würde nun in Handschachtung freigelegt, heißt es von der Stadt Ahaus. „Dadurch werden die dort liegenden Gebeine vollständig gesammelt und sollen zunächst bei einem Bestatter aufbewahrt werden“, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung.

Die Stadt Ahaus suche auf dem alten Friedhof nach einer geeigneten Grabstelle. Sollte sie dort nicht fündig werden, werde eine passende Stelle auf dem neuen Friedhof gefunden, so Werner Leuker, Verwaltungsvorstand der Stadt Ahaus. Die Gebeine sollen dann unter Beteiligung der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden beigesetzt werden.

Archäologin klärt Herkunft der Knochen

Die Herkunft der Gebeine konnte Frau Dr. Karras vom Fachbereich Kultur der Stadt Ahaus als promovierte Archäologin nach Recherche nun auch klären. Die Knochen seien sekundärbestattet worden, hätte vorher also schon mal einen anderen Bestattungsort gehabt.

Normalerweise habe der Kirchhof im Mittelalter als Begräbnisplatz gedient – so auch in Ahaus.

Knochenhaus stand auf dem Kirchhof

Da der Kirchhof mitten in der Stadt nicht erweitert werden konnte, wurden nach einer gewissen Liegezeit die Gebeine der Verstorbenen in einem Bein- oder Knochenhaus (Ossuarium) aufbewahrt. Dieses habe laut Karras auf dem Kirchhof gestanden.

1806 durfte der alte Friedhof um die Kirche laut einer fürstlichen Verordnung nicht mehr benutzt werden. Deshalb legte man einen neuen, den jetzigen alten Friedhof vor dem Coesfelder Tor an und benutzte ihn seit dem 1. Januar 1807.

Spritzenhaus ersetzt Knochenhaus

Das Beinhäuschen ist dann zunächst stehen geblieben und im Jahr 1819 schließlich leergeräumt worden, weil an gleicher Stelle ein Spritzenhaus erstellt werden sollte. Somit mussten die Gebeine aus dem Beinhäuschen auf dem Friedhof sekundärbestattet werden, und zwar häufig am äußersten Ende des Friedhofs in Form einer regelrechten Ossuariengrube – dem jetzigen Fundort.

Der Zustand der Knochen sei gut, berichtet Karras. Das liege am sehr kalkhaltigen Boden. Er habe den Knochen aufgrund der hohen Kalksättigung im Boden vergleichsweise wenig Kalk entzogen. „Damit konnten die dort beigesetzten Gebeine lange erhalten bleiben“, sagt die promovierte Archäologin.

Gebeine bleiben lange erhalten

Die jetzt gefundenen Gebeine (Arm-, Bein- und Schädelknochen) sprechen ebenfalls für diese Erklärung, da kleinere Knochen in bereits vergleichbar kurzer Zeit vergehen und nur die großen Körperknochen noch erhalten bleiben.

Karras: „Die anhand des Zahnbildes der Schädelfunde aufgestellte Altersvermutung spricht eher für Menschen im Sterbealter bis 50 Jahre, was in etwa auch dem seinerzeitigen Sterbealter entsprechen dürfte.“

Auch die sehr unsortierte und enge Lage der Knochen spreche nicht für einen Grabfund, zumal keinerlei Textil-, Knopf- oder Sargreste bzw. mögliche Grabbeilagen gefunden wurden, sondern für eine Ossuariengrabstätte.

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