Mittwoch, 15. August 2018

Das nächste Star-Wars-Spin-off hat es auf die deutschen Leinwände geschafft. In „Solo: A Star Wars Story“ geht es um den jungen Han Solo. Statt Harrison Ford verkörpert dieses Mal Alden Ehrenreich (u.a. „Hail, Caesar!“) den draufgängerischen Piloten. Der Film ist zwar optisch ansprechend und stark besetzt, aber von George Lucas Meisterwerken Lichtjahre entfernt.

Schon wieder ein Star-Wars-Film. So war meine erste Reaktion auf die Ankündigung, dass ein weiteres Spin-off geplant ist. Nicht, weil ich kein Fan von Star Wars bin – ganz im Gegenteil. Aber so langsam wird man den Eindruck nicht los, dass die Walt Disney Company die Weltraum-Saga (finanziell) ausquetscht wie eine Zitrone.


So paradox es klingen mag, trotzdem habe ich mich natürlich darauf gefreut, den Film im Kino zu sehen. Schließlich war Han Solo für mich der eigentliche Held von Episode IV bis VII. Luke Skywalker sah neben ihm oft aus wie ein Milchbubi. Das lag vor allem an der Besetzung. Harrison Ford war diese Rolle auf den Leib geschneidert. Für den 28-jährigen Alden Ehrenreich hätten die Fußstapfen kaum größer sein können.

Hohes Tempo, aber abgedroschene Zitat-Sammlung

„Solo: A Star Wars Story“ spielt zum größten Teil auf Corellia, dem Heimatplaneten Han Solos. Auf dem Planeten herrschen zu jener Zeit die sogenannten White Worms. Die Verbrecherbande wird angeführt von Lady Proxima. Den jungen Han Solo beauftragt sie damit, als Schmuggler große Mengen des wertvollen Raumschifftreibstoffs Coaxiums zu besorgen. Als er mit einem ernüchternden Resultat bei Lady Proxima vorstellig wird, muss er mit seiner Freundin Qi’ra fliehen. Diese wird jedoch von Söldner gepackt und er kann nur fliehen, weil es sich bei der Pilotenakademie verpflichtet. Der Anfang des 135-minütigen Abenteuers.

Was folgt, ist eine Aneinanderreihung von wilden Schießereien und launigen Dialogen. Die Handlung verfängt sich allerdings in immer kleineren Details. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, dass hier Regisseur Ron Howard zu viel auf einmal möchte. Die anfangs noch belächelten Zitate aus früheren Star Wars Filmen, sind beim dritten Mal eher nervig als witzig. Die Handlungsstränge, die anfangs für große Verwirrung sorgen, laufen erst sehr spät zusammen und sorgen dafür, dass sich die erste Stunde der Film sehr zieht. Pseudo-Philosophie inklusive: „Rechne damit, dass Dich jeder betrügt, dann wirst Du niemals enttäuscht sein.“

Stars überzeugen vollauf

Dafür überzeugt der Cast – bei der Starbesetzung allerdings kein Wunder. Der schon angesprochene Alden Ehrenreich meistert die undankbare Aufgabe – in die übergroßen Fußstampfen Harrison Fords zu treten – überraschend souverän. Er drückt Han Solo seinen ganz eigenen Stempel auf, ohne natürlich an Ford heranzukommen. Dass Woody Harrelson (u.a. „Three Billboards behind Ebbing – Missouri“) in der Rolle des Tobias Beckett glänzt, ist mittlerweile ja schon fast keine Silbe mehr wert.  Aber auch Game-of-Thrones-Star Emilia Clarke zeigt, dass sie nicht eine Drachenmutter verkörpern kann.

Fazit: Trotz großer Investitionen und dem riesigen Hype, der um jeden Star Wars Film entfacht wird, ist am Ende ein durchschnittliches Werk entstanden. Im Kino sind die Effekte nett und die Dialoge sorgen für den ein oder anderen Lacher. Insgesamt überwiegt aber die Enttäuschung, denn es klaffen nicht nur einige Lücken im Drehbuch, sondern dem Film fehlt es auch an einem Gleichgewicht zwischen Action und Tiefgang. Sehenswert zumindest teilweise, weil der Cast absolut überzeugt und trotz der Schwächen natürlich Kindheitserinnerungen weckt.

 

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