Samstag, 26. Mai 2018

Vor dem Amtsgericht wurde ein 24-jähriger Wüllener am heutigen Donnerstag wegen der Beihilfe zum Computerbetrug und Urkundenfälschung verurteilt. Nur eine Formalie bewahrte ihn vor einer Freiheitsstrafe.

Zwei Sony Playstations IV, drei CD-Boxen und ein Adidas-Sweatshirt mit einem Gesamtwert von knapp 800 Euro: Das waren die Gegenstände, die ein 24-jähriger Wüllener im November 2016 unter falschem Namen von verschiedenen Paketdiensten für seinen Komplizen angenommen hat.


Jener Komplize – ein 21-jähriger Stadtlohner – hatte zuvor bei verschiedenen Online-Shops wie „Amazon“ und „myToys“ die genannten Artikel bestellt und als Adressaten Personen erfunden, die den Nachnamen seiner Hausnachbarn trugen. Als Zahlungsmittel nutze er unter anderem die Kontonummer seiner Ex-Freundin. Für diesen Betrug wurde der Stadtlohner bereits in einem vorangegangenen Prozess verurteilt.

„Ich wollte meinem Kumpel einfach einen Gefallen tun“

Seinen Kumpel – den 24-jährigen Wüllener – hatte er damals dazu überredet, die Pakete für ihn entgegenzunehmen und mit den fiktiven Namen zu unterschreiben. Der Wüllener unternahm keinen Versuch, die Angelegenheit zu leugnen. Ganz im Gegenteil: Ursprünglich wurde ihm „nur“ vorgeworfen, zwei der insgesamt vier Pakete angenommen zu haben. Doch auch die anderen beiden nahm er unaufgefordert auf seine Kappe: „Ich wollte meinem Kumpel einfach einen Gefallen tun. Ich weiß nicht, was in den Kartons war oder warum ich das getan habe.“

Trotz des früher Geständnisses, sorgten die Aussagen beim Richter für Unmut. Vor allem die Patzigkeit missfiel dem Vorsitzenden: „Das ist ein unwürdiges Schauspiel, das Sie hier aufführen. Sie reden sich noch um Kopf und Kragen.“ Denn so Recht wollte er nicht glauben, dass der Angeklagte weder von dem Inhalt der Pakete wusste, noch irgendeine Entschädigung für die Urkundenfälschung erhalten hatte. Da ihn aber der zuvor verurteilte Stadtlohner in seiner Aussage entlastete, konnte das Gegenteil nicht bewiesen werden.

Eine Formalie rettet den Wüllener – vorerst

Aufgrund der Vorstrafen des Wülleners beantragte der Staatsanwalt für die Annahme der vier Pakete eine sechsmonatige Freiheitsstrafe samt Bewährungsauflagen und 150 Sozialstunden. Das lehnte der Richter aber ab. „Er ist nur für zwei Fälle angeklagt und deshalb können wir ihn heute auch nur für zwei verurteilen“, erklärte der Vorsitzende. Sein Urteil: 75 Tagesätze zu je 15 Euro. Der Staatsanwaltschaft steht nun aber offen, neue Anklage wegen der zwei anderen Fälle zu erheben. Dann könnte eine weitere Verurteilung drohen.

ANZEIGE