Mittwoch, 15. August 2018

Über den Hochschulstandort Ahaus wird heiß diskutiert. In letzter Zeit häuften sich gar die Gerüchte, dass er geschlossen werden könnte. Der Grund: Es mangelt an Studenten. Von den Vorzügen der Ahauser Hochschule sind allerdings nicht nur der Träger – die Westfälische Hochschule in Gelesenkirchen – und die Stadt überzeugt, sondern auch die Studenten selbst. Nur eines fehlt ihnen. 

Man muss schon genau wissen, wonach man sucht. Der Eingang der Westfälischen Hochschule an der Parallelstraße wird vom Tobit Campus gerade zu verschluckt. Empfangen wird man von dem Tobit-typischen Neonlicht – und gespenstischer Stille. Die Türen der Seminarräume stehen auf, ein Kickertisch fristet in der Ecke ein einsames Dasein. Nur aus einer Tür klingt gedämpft eine Stimme. Es ist die von Professor Winfried Eßer. Der Wirtschaftsinformatiker steht am Tageslichtprojektor und referiert vor zwölf Studenten und einer Studentin. Heute sollen Microcomputer programmiert werden.


Einer der Studenten ist Steffen Holtkamp. Wie die meisten der Gruppe – acht von dreizehn – ist er beim Ahauser Unternehmen Tobit Software angestellt und studiert dual Informationstechnik (IT). Vier Semester hatte er mittlerweile Zeit, sich ein Bild von der Westfälischen Hochschule in Ahaus zu machen. Angesprochen auf deren Vorzüge, spart er nicht mit Lob: „Die familiäre Atmosphäre ist außergewöhnlich. Wir können die Professoren bei Fragen jederzeit ansprechen, gehen manchmal sogar mit ihnen essen. Das ist besonders und an einer großen Universität kaum vorstellbar.“

Durchfallquote gleich null

Dass von dieser besonderen Atmosphäre alle profitieren, belegen auch die Fakten. „Selbst in Fächern wie Mathe I und II fällt bei uns keiner durch. Am Standort Bocholt liegen die Durchfallquoten bei 20, 30 oder 40 Prozent, obwohl sie die gleichen Professoren und Inhalte haben“, erklärt Steffen Holtkamp. Und ergänzt: „Das darf man aber nicht falsch verstehen. Hier ist es auf keinen Fall leichter als anderswo, nur wir können jederzeit fragen, wenn etwas unklar ist.“

Stefanie Pelz ist die Exotin des Kurses. Obwohl die IT-Branche sich wandelt, ist sie die einzige Frau im Raum. Für sie war aber schon zu Schulzeiten klar, wohin die Reise gehen soll. „Eigentlich wollte ich nur ein Ausbildung machen, aber dann habe ich von dem Angebot in Ahaus gehört. Für mich war das perfekt“, so die 20-Jährige. Ihr Arbeitgeber ist das Ahauser Telekommunikationsunternehmen Mediabeam.

Abgelaufenes Bier

Obwohl sich alle dreizehn Studenten darin einig sind, dass die Vorteile in Ahaus überwiegen, gibt es auch kritische Töne. „Es mangelt hier ganz klar an einem Studentenleben. Wir sind fast alle Pendler und können deshalb nicht abends auf ein paar Bierchen losziehen“, so Kevin Mathmann aus Stadtlohn. Und Steffen Holtkamp gesteht dann die Todsünde unter Studenten: „Man hat uns sogar Kisten Bier zur Verfügung gestellt. Aber die sind mittlerweile abgelaufen, weil sie keiner trinkt. Wir mussten es wegwerfen.“ Dass die dreizehn IT-Studenten den Standort Ahaus trotzdem uneingeschränkt empfehlen, spricht nicht gerade gegen ihn.

 

 

 

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