Samstag, 26. Mai 2018

Es war von Beginn an ein kurioser Prozess, der gestern am Ahauser Amtsgericht verhandelt wurde. Auf der Anklagebank saß ein 38-jähriger Ahauser, dem vorgeworfen wurde, einer 83-jährigen Rentnerin unabsichtlich über beide Füße gefahren zu sein. Sie erlitt zwei Brüche im Mittelfuß.

Die dargestellten Versionen der beiden Parteien unterschieden sich kaum – aber an den entscheidenden Stellen umso stärker. Einig war man sich darin, dass der Ahauser der am Boden liegenden Rentnerin an der Wallstraße aufgeholfen und sie anschließend in das anliegende Geschäft seiner Frau gebracht hatte. Das habe er aber aus Pflichtbewusstsein getan und nicht, weil er den Unfall verursacht habe.


Er sah sich in der Opferrolle: „Ich helfe und werde dafür jetzt bestraft“. Die Rentnerin erzähle „viele Lügen“ und weiche von ihrer Ursprungsversion ab. Unter anderem verwechsle sie Tageszeit, Datum und, dass er vorwärts statt rückwärts gefahren sei. Eine Antwort auf den Ursprung des Mittelfußbruchs blieb er jedoch schuldig.

„Es war definitiv sein Wagen“

Die Rentnerin war sich hingegen sicher, dass der 38-Jährige der Verursacher der Verletzung war: „Es war definitiv sein Wagen. Ich dachte zunächst, dass es noch gut gegangen sei.“ Nur deshalb sei sie mit ihrem Wagen nach Hause gefahren. Erst im Krankenhaus wurde die Schwere der Verletzung diagnostiziert.

Die Richterin sah sich in der Zwickmühle: „Ich glaube beiden Parteien und denke, dass es an der Kommunikation gehakt hat.“ Sie bot an, das Verfahren gegen eine Zahlung von 300 Euro an die Rentnerin einzustellen. Trotz langem Haderns, willigte der Ahauser schließlich ein. Ein Zivilprozess steht aber noch aus.

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