Samstag, 26. Mai 2018

Zwei Jahre investierten der Ahauser Fabian Schütter und sein Kumpel Manuel Fischer in die Entwicklung des Weincocktails „Nico Tico“. Nun wurden die ersten 12.000 Flaschen befüllt. Für die beiden Mitzwanziger beginnt die heiße Phase. Gesucht werden Gastronomen, die den Cocktail auf ihre Karte setzen.

Es ist ein außergewöhnlicher Weg, den Fabian Schütter hinter sich hat. 2011 machte er in Ahaus sein Abitur, reiste anschließend durch Australien und arbeitete dann für ein Jahr auf einem Weingut an der Mosel. Seine Leidenschaft für die Welt der Weine war geweckt. 2013 nahm er dann das Studium „Internationale Weinwirtschaft“ an der Hochschule Geisenheim auf.


Sechs Semester beschäftigt sich der Ahauser mit Weinbau, Oenologie, Wirtschaft und Marketing. Die letzten beiden Punkte nehmen in der Branche eine immer größere Bedeutung ein, wie Fabian erklärt. „Die Leute suchen mittlerweile bei den Weinen die Vielfalt. Nur noch wenige Menschen kaufen noch ausschließlich beim Winzer des Vertrauens.“ Neben seinem Studium jobbt Fabian als Barkeeper. Hier lernt er das Cocktailmixen und seinen heutigen Geschäftspartner Manuel Fischer kennen.

Die gemeinsame Idee

Irgendwann reift in dem Ahauser die Idee, aus Wein einen Cocktail zu kreieren. „Bisher gab es nur die süßen, bunten, aromatisierten Weinmixgetränke wie zum Beispiel Hugo. Wir wollten aber etwas völlig anderes entwickeln“, sagt Fabian. Also schnappt er sich Manuel Fischer – studierter Getränketechnologe – und wagt die ersten Versuche. „Es war klar, dass unser Weincocktail drei Komponenten enthalten soll: Wein, Pflanzenextrakte und eine Zitrusnote.“ Das Ziel: mit gängigen Konventionen brechen.

12.000 Flaschen Nico Tico wurden bereits abgefüllt. Foto: David Haase

Statt Limette oder Zitrone verwenden sie Yuzu und Calamansi, statt Rosmarin oder Wacholder Guarana und Damiana. Die beiden sind überzeugt, dass die Menschen aktuell auf der Suche nach neuen Geschmäckern sind. „Das zeigt sich zum Beispiel an dem Craft-Beer-Trend“, so Fabian. Nach den ersten Versuchen kristallisieren sich neun verschiedene Variationen heraus, die bei einer Verkostung 70 verschiedenen Personen präsentiert werden. Anschließend steht der Favorit fest.

Außergewöhnlicher Name

Ihre Bachelorarbeiten schreiben beide über die Entwicklung und Produktion von „Nico Tico“. Auf den außergewöhnlichen Namen sind Manuel und Fabian spontan gekommen. Er hat weder etwas mit einem Nicolas noch mit dem spanischen Wort für Costaricaner (el tico) zu tun. „Rückwärts gelesen spricht man es wie das Hormon Oxytocin, welches für die zwischenmenschlichen Bindungen auf der Welt hauptverantwortlich ist“, erklärt Fabian. Auch ihr Cocktail soll Menschen zusammenbringen.

Ein Problem, mit dem fast jedes Start-up in Deutschland zu kämpfen hat: Wie finanziere ich die Umsetzung meiner Idee? Neben den eigenen Reserven genießen die beiden Jungunternehmer das Privileg, vom Land Hessen mit einem sechsmonatigen Stipendium gefördert zu werden. „Wir haben uns gegen 40 andere Start-ups durchgesetzt und haben jetzt für den Sommer finanzielle Sicherheit“, so der Ahauser.

Der entscheidende Sommer

12.000 Flaschen Nico Tico wurden mittlerweile in einem bayrischen Betrieb abgefüllt. Ihr Rezept hüten Fabian und Manuel wie ihren Augapfel. Deshalb werden die Grundzutaten schon gemixt zum Abfüllbetrieb angeliefert. Dass die Basis ein Riesling bildet, verraten sie aber. Nun beginnt die heiße Phase – im wortwörtlichsten Sinne. Denn die sommerlichen Monate möchten die beiden nutzen, um ihr Produkt an möglichst viele Gastronomen zu vermitteln. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, fahren die beiden auch zu Festivals und bringen es dort unter den Mann/die Frau.

Für Fabian und Manuel beginnt nun die Zeit des Vertriebs. Foto: David Haase

Die 12.000 Flaschen – die im Einzelpreis 2,49 Euro kosten – sollen aber nur der Anfang sein. „Damit zwei Leute davon Leben können, müssten wir irgendwann 200.000 Flaschen pro Jahr verkaufen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.“ Angst macht Fabian Schütter diese hohe Hürde nicht. Er ist von seinem Getränk und dem Konzept überzeugt: „Ich sehe ein riesiges Potenzial, denn die Leute trinken zwar weniger Alkohol, aber geben mittlerweile lieber mehr Geld für höhere Qualität aus. Und diese höhere Qualität bieten wir definitiv mit Nico Tico.“

Da Fabian in Mannheim und Manuel in Wiesbaden wohnt und trotz ihrer frisch gegründeten Firma „Schütter&Fischer GbR“ noch beide in einem Teilzeit-Anstellungsverhältnis arbeiten, wird sich der Vertrieb zunächst auf Rhein-Main und Rhein-Neckar-Gebiet beschränken. Perspektivisch gesehen würde sich der Ahauser aber freuen, wenn auch in seiner Heimatstadt Nico Tico über den Tresen gehen würde: „Das wäre schon etwas Besonderes.“

Ende Mai geht die Homepage www.nico-tico.de online. Kunden haben hier die Möglichkeit, Nico Tico nach ganz Deutschland zu bestellen. Mindestabnahme: sechs Flaschen. 

 

 

 

 

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