Freitag, 20. Juli 2018

Wenn der Vorsitzende Richter am Ahauser Amtsgericht sich am heutigen Dienstag zu der Äußerung hinreißen lässt, so etwas Kurioses vor Gericht auch noch nicht erlebt zu haben, dann muss schon einiges zusammenkommen. Vor allem ein „freiwilliger“ Gang in den Knast sorgte für Kopfschütteln.

Was war passiert? Im Januar 2017 beschlossen zwei damals 20-jährige Frauen mit zwei Bocholtern einen feucht, fröhlichen Abend zu verbringen. Man traf sich mit den Mitzwanzigern in Ahaus im Elternhaus einer der jungen Frauen und nahm eine ordentliche Menge Alkohol zu sich. Später zog man weiter in ein Ahauser Lokal, wo weiter getrunken wurde. Den beiden Bocholtern stieg der Alkohol offenbar zu Kopf, denn sie fingen mit anderen Gästen einen Streit an. Der Wirt erteilte ihnen daraufhin Hausverbot.


Über den weiteren Verlauf des Abends gibt es mehrere Varianten. Fest steht nur: Die beiden jungen Frauen kehrten in den frühen Morgenstunden zurück zum Elternhaus, in dem das Vortrinken stattgefunden hatte. Dort trafen sie – nach eigenen Aussagen völlig überrascht – auf die beiden Bocholter. Beide waren stark alkoholisiert und hatten sich gewaltsam durch die Balkontür Zugang verschafft. Erst als die Polizei eintraf, verließen sie die Wohnung.

Große Verwirrung vor Gericht

Weil die widersprüchlichen Aussagen beim ersten Gerichtstermin zu großer Verwirrung führten, beschlossen Staatsanwaltschaft und Richter damals, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. Mit Zahlung der 800 Euro für die defekte Balkontür wäre die Sache erledigt gewesen. Einer der beiden Bocholter kam dieser Forderung allerdings nicht nach. „Ich war auf Mallorca, als die Post mit der Zahlungsaufforderung kam“, erklärte er nun beim neu aufgerollten Verfahren. Ein Jobangebot als Dachdecker habe ihn für einige Zeit auf die Urlaubsinsel verschlagen.

Mittlerweile sitzt der 23-Jährige wegen anderer Delikte in der JVA Bielefeld. „Freiwillig“, wie er sagt. Er habe wegen seiner Ex-Freundin lange zu viel getrunken und deshalb viel Ärger gehabt. „Ich bin in den Knast gegangen, um davon wegzukommen. Hier fühle ich mich wohl und körperlich geht es mir gut.“ Der Richter und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft war ob dieser Aussagen zwar eine gewisse Skepsis anzusehen, aber dennoch stellten sie das Verfahren noch einmal gegen eine Auflage ein. Zu den Kosten für die Balkontür kommen nun noch einmal 200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung oben drauf. „Wenn sie dieses Mal nicht zahlen, ist ihnen nicht mehr zu helfen“, gab der Richter dem Bocholter mit auf den Weg.

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