Freitag, 20. Juli 2018

G8 ist in Ahaus Geschichte. Nordrhein-Westfalen kehrt wieder zu G9 zurück. Niels Hakenes, Schulleiter der Canisiusschule Ahaus, freut sich über das neue Gesetz, das der Landtag am Mittwoch (11. Juli) beschlossen hat.

Nach 14 Jahren wird in Nordrhein-Westfalen bald wieder Schluss sein mit G8. Der Landtag hat am Mittwoch die Rückkehr zu G9 beschlossen. Sie startet im Herbst 2019 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Die sind derzeit in der dritten und vierten Klasse. Alle Schüler, die zurzeit schon aufs Gymnasium gehen, bleiben beim Turbo-Abi.


Niels Hakenes, Schulleiter der Bischöflichen Canisiusschule Ahaus, ist ein Befürworter von G9. Dementsprechend begrüßt er das neue Gesetz. „Ich glaube, dass das eine gute Sache ist, weil erstens die Mehrheit der Lehrer das G9 will“, sagt er. Zweitens findet er es gut, den Kindern dadurch mehr Zeit zu geben. Zum Beispiel setze die zweite Fremdsprache später ein.

Niels Hakenes ist Schulleiter der Canisiusschule Ahaus. Foto: Johannes Schmittmann/Ahaus.jetzt

+++ Ahaus.jetzt hat Niels Hakenes schon einmal im Mai zum Interview getroffen +++

Theoretisch gibt es im Gesetz Ausnahmen von G9. Die Gymnasien können sich bis Ende 2018 dafür entscheiden, bei G8 zu bleiben. Tun sie das nicht, führen sie automatisch wieder das neunjährige Modell ein. So wird es wohl bei der großen Mehrheit sein. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) rechnet mit weniger als zehn Prozent der Gymnasien, die sich gegen G9 entscheiden.

Canisiusschule stellt auf G9 um

Auch die Bischöfliche Canisiusschule Ahaus wird laut ihrem Schulleiter zu G9 zurückkehren. „Bei uns an der Schule ist das überhaupt kein Thema, G8 beizubehalten“, sagt Hakenes. Im Gegenteil, G9 werde gewünscht.

Neben der G8-Ausnahmeregelung für die gesamte Schule verspricht das Gesetz noch die „Ermöglichung der individuellen Verkürzung des neuen neunjährigen Bildungsgangs am Gymnasium auch in Gruppen.“ Die Bischöfliche Canisiusschule Ahaus kann sich laut ihrem Schulleiter vorstellen, in den kommenden Jahren Konzepte für solche flexiblen Lösungen zu entwickeln. „Die sind für leistungsstarke Schüler, die schneller ihren Abschluss machen wollen und bei denen das pädagogisch sinnvoll ist“, sagt Hakenes.

Schulleiter konnten sich zweimal nicht durchsetzen

Laut Detlef von Elsenau, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Dortmund, werden voraussichtlich alle Dortmunder Gymnasien zu G9 zurückkehren. Er findet jedoch die ständigen Umstellungen im Schulsystem nicht gut. „Zuerst haben wir bei der Einführung des Turbo-Abis als Schulleiter generell versucht, das G8 zu verhindern“, sagt er. Sie hätten sich jedoch nicht durchsetzen können.

Bei der Einführung von G8 hatten die Gymnasien laut von Elsenau dann mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel mit neuen Lehrplänen, die beim G8 kompetenzorientiert angelegt sind. „Inzwischen haben wir endlich das Gefühl, die Probleme im Griff zu haben“, sagt der Rektor. „Deswegen haben die meisten Schulleiter gesagt, jetzt bleiben wir auch bei G8.“ Doch auf die Schulleiter hat die Politik ein zweites Mal nicht gehört.

„Wir schaffen alles“, meint von Elsenau zwar. Aber es sei ärgerlich, dass gesagt würde, die Schulen müssten nur eine Rolle rückwärts machen. Das stimmt laut dem Schulleiter nicht. Es kämen wieder neue Lehrpläne, den Lehrern werde viel Arbeit zugemutet. Außerdem seien in einigen Jahren Raumprobleme absehbar.

Mehr Ruhe gewünscht

Hakenes stört das Hin und Her genauso wie den Dortmunder Schulleiter. „Ich habe das Gefühl, die Entscheidungen werden getroffen, ohne an die Auswirkungen für die Lehrer zu denken“, sagt der Ahauser Rektor. Er wünscht sich „mehr Ruhe in der Sache“.

ANZEIGE