Donnerstag, 16. August 2018

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur soll im kommenden Jahr Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garching bei München nach Ahaus gebracht werden. Es handelt sich bei den Abfällen um abgebrannte Brennelemente mit hochangereichertem Uran.

Der Forschungsreaktor in Garching bei München – kurz FRM II – ist seit März 2004 in Betrieb. Die Technische Universität München nutzt ihn zu wissenschaftlichen Zwecken und er dient der Erzeugung von Neutronen in der Physik und Medizin. Er gilt als leistungsstärkster Forschungsreaktor in Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur soll im kommenden Jahr ein Castor-Transport mit atomaren Abfällen dieses Reaktors ins Zwischenlager nach Ahaus transportiert werden.

Lagerung in Ahaus Teil der Betriebsgenehmigung


Auf Anfrage teilte eine Sprecherin der Technischen Universität München der dpa mit, dass die Castorbehälter frühestens Mitte des nächsten Jahres ins westfälische Ahaus transportiert werden sollen. Und die Stadt kommt um die Verfrachtung abgebrannter Brennstäbe nicht herum: Sie ist Teil der Betriebsgenehmigung von 2003.

Im Inneren des Forschungsreaktors FRM II in Garching bei München. Foto: dpa

Weiter schreibt die dpa, dass der Linken-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel und seine Fraktion weitere Informationen über den Transport bei der Bundesregierung angefragt hätten. Diese teilte daraufhin mit, dass bis Ende des Jahres eine Entscheidung über die Zulassung des Castor-Behälters erwartet werden würde. Der Plan ist es, den Behälter mit entsprechend gepanzerten Fahrzeugen nach Nordrhein-Westfalen zu transportieren. Der Grund: Garching hat keinen Schienenanschluss.

Brennstäbe sind nicht waffenfähig

Bundestagsabgeordneter Zdebel kritisiert den Castor-Transport und hält diesen für unverantwortlich. Er ist der Meinung, die Bundesregierung und die Verantwortlichen sollten endlich aufhören, die Gefahren von Atommüll zu verharmlosen und zu ignorieren. Stattdessen – so seine Forderung – brauche es ein umfassendes Atommüllkonzept und die Beteiligung der Bevölkerung daran. Diese hätte immerhin die Risiken zu tragen.

Castorenbehälter in Jülich. Foto: dpa

Zdebels Sorge darüber, dass der Atommüll vor dem Abtransport nicht unschädlich gemacht wird, haben die Bundesregierung und die Betreiber widerlegt. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet hier, dass beide Parteien betonen, dass es sich bei dem atomaren Abfall nicht um direkt waffenfähiges Material handele. Um ihn als Waffen missbrauchen zu können, müssten die Brennstäbe aufbereitet werden. Dazu fehlen Deutschland aktuell entsprechende Anlagen.

Niedrig angereichertes Uran sollte in Garching längst kommen

Laut dpa wurde die Verwendung von hochangereichertem Uran in Garching stets von den Grünen und Atomgegnern kritisiert. Der Forschungsreaktor sollte eigentlich bis 2010 auf niedrig angereichertes Uran umgerüstet werden. Auf Grund mangelnder Alternativen wurde die Umstellung aber verschoben. Der Einsatz von hochangereichertem Uran um acht Jahre verlängert.

Der Forschungsreaktor in Garching. Foto: dpa

Aktuell sieht es danach aus, dass der Reaktor auch in diesem Jahr nicht mehr umgestellt wird. Die Wissenschaftsministerin teilte der dpa dies bezüglich mit, dass die Umstellung eine „weltweit objektiv unmögliche Handlung“ sei. Und auch die Technische Universität München spricht sich immer wieder für den Einsatz hochangereicherten Urans aus. Dieses sei für die medizinischen Anwendungen unabdingbar und nur so könnten derart hohe Menge an Neutronen produziert werden.

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